Ich schreib dann mal ein Buch Teil 7 – tolle Titel

dany Schreibtipps 4 Comments

Eine Alliteration am Anfang und schon sind wir im Thema tolle Titel drin. Den passenden Titel für das eigene Buch zu finden, ist ein wichtiger Schritt, den man nicht vernachlässigen sollte. Eigentlich hätte ja gestern (vor einer Woche – oder zwei Wochen davor?) ein Artikel zum Überarbeiten der Rohfassung kommen sollen, aber ein Beitrag über die Titelfindung ist längst überfällig – wenn ich nach meiner persönlichen Arbeitsweise gehe. Oder zu welchem Zeitpunkt macht ihr euch Gedanken über den Namen eures Buches?

Wer bis zur Vollendung der Rohfassung noch immer nicht den richtigen Titel gefunden hat, der wird – vermute ich – bis dahin mit einem Platzhalter gearbeitet haben – einem Arbeitstitel. Und wenn es nur die Reduzierung auf „mein nächstes Buch“ ist. Aber irgendeinen Titel muss man seinem Projekt doch verpassen. Oder? Erst dann wird es greifbar. Und erst dann kann man anderen erzählen, woran man überhaupt arbeitet, wenn man stundenlang auf seiner Tastatur herumtippt.
Schöner ist es jedoch, wenn man bereits einen geeigneten Titel besitzt, mit dem man auch seine Dateien und Ordner benennen kann.

Bei mir steht der fertige Titel meistens schon zu Beginn der Schreibarbeit (meist noch viel früher), was natürlich auch daher rührt, dass ich bis dahin bereits alles durchgeplant habe. Wer mit weniger Vorarbeit auskommt, tendiert vielleicht eher zu Arbeitstiteln, die später an die Handlung angepasst werden. Aber das ist reine Spekulation meinerseits. Doch wie findet man nun einen treffenden Namen fürs eigene Buch? Dazu stellt sich erstmal folgende Frage: Welchen Zweck erfüllt der Titel? (abgesehen davon, dass man seinem Baby einen Namen verpasst)

Er ist Werbung

Er soll ins Auge stechen – den Leser zum Kauf animieren. Natürlich ist der Titel nicht DAS Verkaufsargument. Ich persönlich habe noch nie ein Buch allein wegen des vortrefflichen Namens gekauft. Aber: Ein toller Titel kann die Aufmerksamkeit eines stöbernden, potenziellen Lesers erregen. Ihn überhaupt erst einmal dazu bringen, dass er sich die Inhaltsbeschreibung durchliest (mein erstes Kriterium für einen Buchkauf) und einen Blick auf die ersten Seiten wirft, um zu sehen, ob der Stil des Autors gefällt (mein zweites Kriterium).
Der Titel muss also hervorstechen aus der Vielzahl an Büchern (bei E-Books sogar deutlich mehr als das Cover, von dem man manchmal kaum etwas sieht). Wie macht man das? Tja …
Hier mal ein paar Anhaltspunkte für Überlegungen:

Lange Titel, kurze Titel – was ist besser?

Ob ein Titel lang oder kurz ist, spielt meiner Ansicht nach keine Rolle. Es gibt sehr erfolgreiche längere Titel, aber auch sehr erfolgreiche kurze Titel. Stephen King ist beispielsweise ein Freund der knappen Variante. Bestes Beispiel: „Es“. Allerdings kommt es auch ein bisschen darauf an, welches Genre man bedient.

Wenige Worte scheinen vor allem bei ernsteren Geschichten gefragt. Horror, Thriller, Krimi, Mystery … diese Richtung. Wortreichere Titel treten gern bei humoristischen Erzählungen auf – was jetzt natürlich nicht heißen soll, dass es nicht auch Horrorbücher mit sehr langen Titeln oder Komödien mit sehr kurzen Titeln gibt.

Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass ein guter Buchtitel nicht länger als fünf Wörter sein sollte. Der Merkbarkeit halber klingt das sinnvoll. Im Filmbusiness ist es sogar eher die Regel, dass Filmtitel möglichst knapp gehalten werden. Das kann man schön beobachten, wenn Literatur verfilmt wird. Lange Buchtitel führen häufig zu kurzen Filmtiteln. Aber fünf Wörter reichen nicht immer aus, um dem Titel das zu geben, was er meiner Ansicht nach unbedingt mitbringen sollte:

Ein Hinweis auf den Inhalt

Ein Titel ist ein bisschen wie ein Versprechen. Wenn ich meinem Buch einen phantastischen Namen verpasse, der absolut gar nichts mit dem Inhalt zu tun hat, würde ich mir als Leser irgendwie verarscht vorkommen. Heißt ein Buch zum Beispiel „Per Anhalter durch die Galaxis“, sollte es auch irgendwie darum gehen, dass jemand per Anhalter durch die Galaxis reist und nicht mit seinem Auto von Berlin nach München. „Der Herr der Ringe“ sollte definitiv eine wichtige Figur haben, die man als den Herrn der Ringe bezeichnen könnte. Beide Beispiele erfüllen natürlich ihr Versprechen.
Okay … es gibt einen gewissen metaphorischen Spielraum. Aber ich würde darauf wetten, dass 99% aller Bücher keinen irreführenden Titel besitzen.

Doch wie weit möchte man gehen mit seinem Hinweis auf den Inhalt? Da existieren scheinbar keine Grenzen. Manche Werke verraten nur den Namen des Antagonisten oder Protagonisten, den Handlungsort oder das übergreifende Thema. Häufig dann, wenn es sich um Buchreihen handelt, erhalten diese dann aber zusätzlich einen Untertitel, der einen Hinweis auf die Handlung gibt.

Bestes Beispiel: „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Harry Potter ist der Protagonist, den Titel tragen auch alle Nachfolgebände und der Stein der Weisen ist das wertvolle Artefakt, um das sich der Plot dreht. Es gibt auch Bücher, deren Titel aus einem kompletten Satz bestehen, der den Inhalt fast wie eine Logline zusammenfasst oder die Prämisse darstellt. „Kurzes“ Beispiel: „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam.“ Gut, das ist ein Filmtitel, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein.
Am besten schaut ihr einfach selbst mal die Bücher durch, die ihr so gelesen habt. Findet ihr einen Titel, der überhaupt gar nichts – also Null, nicht einmal im übertragenen Sinne – mit seinem Inhalt zu tun hat? Wenn ja, sagt mir Bescheid.

Genrespezifische Erkennungsmerkmale

Mitunter mag es auch passend erscheinen, Buchtitel mit etwas zu versehen, das auf das Genre schließen lässt. Scifi-Bücher tragen gerne Hinweise auf Weltraum oder Zukunft in sich oder nutzen eigens kreierte Wörter für Planeten, Massenvernichtungswaffen oder Raumschiffe.
Beispiele: „Die Sterntagebücher“, „Solaris“, „1984“ (damals lag das Datum noch in der Zukunft). Liebesromane bedienen sich gern der Wörter „Liebe“, „Herz“ etc. Da sollte man sich im eigenen Genre einfach mal umschauen, was in den oberen Reihen der Verkaufszahlen so herumschwirrt.

Ha. Mehler, dessen Buch übers Bestsellerschreiben ich bereits bei den Spannungsbögen erwähnte, gibt darin auch einen interessanten Einblick zur Titelfindung. Besonders inspirierend – da mir bis dahin völlig neu – fand ich folgenden Aspekt:

Die Metrik der Sprache

Wer im Deutschunterricht in der Schule aufgepasst hat, wird sich vielleicht noch dunkel an Jambus, Trochäus, Anapäst und Daktylus erinnern. Wer einen Titel mithilfe von metrischer Silbenbetonung aufbaut, der erhält zumindest einen sprachlich angenehmen Titel, der keine Stolpersteine bereithält und dadurch einfacher zu merken ist – selbst, wenn es sich um einen längeren Namen handelt. Hier habe ich eine nette Seite gefunden, wo man sein Schulwissen über Versmaße noch mal auffrischen kann,

Bei „Im Turm des Panopticons“ (betonte Silben sind unterstrichen) habe ich die Metrik bereits unbewusst angewendet. Wenn man die erste Silbe ignoriert (ja, das ist legitim), folgen darauf zwei Daktylen. Weitere Beispiele: „Nicht von dieser Welt“ (Zwei Trochäen, letzte Silbe ignorieren) „Kalter Zwilling“ (Zwei Trochäen). Übrigens beides Gewinner des diesjährigen (2014) Indie Autor Preises.
Aber es existieren noch viele weitere Möglichkeiten, um einen besonderen Titel zu kreieren.

Rhetorische Figuren – eine Spielwiese für Wortbasteleien

Stilfiguren eignen sich famos für ansprechende Namensgebungen, denn rhetorische Figuren gibt es massenweise. Einfach mal bei Wikipedia reinschauen und von den Möglichkeiten inspirieren lassen. Besonders gerne werden Alliterationen verwendet, oder generell Wiederholungen jeder Art.
Der Zeit-Zwirbel-Effekt und seine Knöpfchendrücker“ trägt beispielsweise eine kleine Alliteration in sich: Zeit-Zwirbel. Etwas mühsam auszusprechen, aber es besitzt einen Wiedererkennungswert.

Wer nach weiteren Anregungen für einen gelungenen Buchtitel sucht, der sollte sich am besten einfach mal in den Bestsellerlisten umschauen und sich fragen, was diesen oder jenen Titel so besonders macht, dass er einem ins Auge springt. Hier mal ein paar vortreffliche Beispiele – mitsamt meiner Analyse (nein, ich suche jetzt nicht sämtliche Begriffe der Stilfiguren heraus) – aus den derzeitigen TOP 100 der Kindle E-Books:

  • Unverhofft verliebt“ (eine Dopplung der Silbe „ver“, zwei Jamben, beide Worte enden mit dem Buchstaben T, genrespezifische Wortwahl lässt auf Liebesroman schließen. Inhaltlich erwartet man eine Liebesgeschichte, die eben unverhofft – vermutlich unfreiwillig – eintritt)
  • Honigtot“ (ein dreisilbiges Wort, deren erste und letzte Silbe ein „O“ trägt, außerdem eine Wortkombination, die man in dieser Art nicht antrifft. Honig verbindet man nicht unbedingt mit Tod, genrespezifisch: Krimi oder Thriller vielleicht. Inhaltlich erwartet man mindestens eine Leiche und dass es irgendwas mit Honig zu tun hat)
  • Zersplittertes Herz“ (erster und letzter Buchstabe ein Z, außerdem wird 4 x der Vokal E benutzt und nur einmal ein I, auf dem allerdings die Betonung liegt. Zudem werden bevorzugt harte Konsonanten wie Z, T, P verwendet. „Zersprungenes Herz“ hätte nur halb so viel Wirkung. Genrespezifisch: tragischer Liebesroman, könnte auch eine Mischung mit Thriller sein. Inhaltlich dürfte es eine dramatische Liebesgeschichte sein)
  • Böser kleiner Junge“ (drei Trochäen, Nennung des Protagonisten oder Antagonisten vermutlich. Genre würde ich auf Thriller oder Horror tippen – liegt aber auch mit am Autor ;-))
  • Das Glück ist ein flüchtiger Dieb“ (zwei Daktylen. Obwohl es sechs Wörter sind, geht der Titel runter wie Öl. Sehr metaphorisch, sagt wenig über die Handlung aus. Könnte etwas mit Dieben zu tun haben, muss es aber nicht. Aufgrund des Wortes „Glück“ könnte es durchaus eine dramatische Liebesgeschichte sein)

Bei keinem der Titel habe ich nachgesehen, um was es geht. Inwieweit meine inhaltlichen Vorstellungen und die Genreeinteilungen der Tatsache entsprechen, könnt ihr ja mal nachprüfen. Ich gönne mir den Spaß erst, nachdem ich diesen Artikel veröffentlicht habe.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

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Kommentare 4

  1. Hey Daniela :)

    Ein toller und hilfreicher Artikel! Danke dafür! :)
    Eines beschäftigt mich jedoch. Wie du sagst, ist es durchaus praktisch, schon früh einen Titel zu finden. Auch um evtl damit schon vorab Werbung zu machen, bzw sich nach und nach in das Gedächtnis zukünftiger Leser einzunisten ;) Aber es kann doch durchaus passieren, dass in der Zwischenzeit (also in der Zeit, in der man noch am Schreiben ist) ein anderer Autor ein Buch mit eben diesem Titel veröffentlicht oder dir gar den Titel klaut. Wäre es dahingehend nicht doch besser, den Titel erst spät zu wählen, anstatt zu riskieren, ihn noch einmal ändern zu müssen und die zukünftigen Leser somit zu verwirren?

    Liebe Grüße
    Jill

    1. Post
      Author

      Hallo Jill,

      die Gefahr des Titeldiebstahls besteht natürlich. Dafür gibt es die Möglichkeit eines Titelschutzes. Schau mal hier: Alexander Batel hat da einen hilfreichen Beitrag geschrieben. Ob und wieweit ein Titelschutz nötig ist, hängt vielleicht aber auch von der Art des Titels ab. Bei meinen eher längeren Ergüssen halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass sie mir jemand klaut. Selbsterfundene Wörter könnten da hilfreich sein. Ich sag mal so: Je außergewöhnlicher, desto unwahrscheinlicher, dass jemand anderes dir zuvorkommt. Ob es wirklich so dreiste Autoren gibt, die einem den Buchtitel klauen … Ich hoffe nicht! Aber vermutlich bin ich da auch ein bisschen blauäugig und werde es irgendwann schmerzhaft spüren. ;-) Also wenn du sichergehen möchtest, vor allem auch bei Titeln, die jemand erfinden könnte, weil sie nicht so speziell sind, wäre Titelschutz vermutlich angebracht. Dann ist das vorherige Hinausposaunen auch gar kein Problem.
      Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.
      Liebe Grüße

      Daniela

      1. Vielen Dank für die schnelle Antwort :)

        Ich denke, ich leide bei diesem Thema ein wenig unter Paranoia. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand exakt den selben Titel (zumindest, dann wenn man mehrere Wörter verwendet) ausdenkt, ist schon sehr unwahrscheinlich. Vermutlich muss ich da selbst ein wenig optimistischer rangehen ;)

        Ich kann mir allerdings auch gut vorstellen, dass man einen anderen Blick auf den Titel hat, wenn die Story komplett aufgeschrieben ist und man einen anderen Titel im Nachhinein für passender befunden hätte. Hast du schon einmal erlebt, dass du den Titel während des Schreibens oder auch hinterher selbst noch einmal ändern wolltest?

        1. Post
          Author

          Ja, schon mehrfach passiert, dass ich den Arbeitstitel geändert habe. Das aktuelle Projekt hatte zuvor noch einen längeren Titel. ;-) Wenn du dir mit deinem noch nicht sicher bist, würde ich auch keinen Titelschutz beantragen. Falls du aber denkst, „Boah, das isses! Der und sonst keiner!“ und du Angst hast, dass ihn dir jemand klaut, dann lass ihn dir lieber schützen. Aber wenn du dir eh noch unsicher bist, dann würde ich damit auch noch nicht groß an die Öffentlichkeit gehen. Denn wenn du den Arbeitstitel unter die Leute streust, erwarten sie ja auch, dass das Buch später so heißt.

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