Ich schreib dann mal ein Buch Teil 5 – die Geschichte entsteht

dany Schreibtipps Hinterlasse einen Kommentar

Aufgrund von unvermittelt eingetretener Faulheit erscheint dieser Teil nun leicht verspätet. Ihr dürftet es überlebt haben. Am Thema Charaktere erstellen gab es ohnehin genug zu knabbern. Zusammen mit Annika zeichne ich mich sogar verantwortlich für eine Forumsdiskussion über Charakterbögen. Also noch mal zur Beruhigung: Ich bin äußerst vergesslich. Ich benötige diese ganzen Notizen, damit ich mich nicht verzettele. Außerdem bin ich extrem perfektionistisch und neige dazu, mir vielleicht auch manchmal mehr Arbeit zu machen, als vermutlich notwendig wäre. Daher sind meine Blogbeiträge hier bitte nicht als die Weisheit aller Dinge zu betrachten.
Es gibt – wie sich in der Diskussion herausstellte – scheinbar ohnehin mehr Autoren, die auf derlei Vorarbeit verzichten, als solche, die es tun. Nur verfassen die halt keine Blogbeiträge oder Bücher darüber. Was will man dazu auch schreiben?

  • Kapitel Charaktere: Ich habe das komplett im Kopf.
  • Kapitel Plotentwicklung: Mache ich alles intuitiv.

Wäre ein recht kurzer Beitrag oder ein sehr, sehr dünnes Ratgeberbuch. Hier möchte ich jedoch Hilfestellungen geben, Möglichkeiten aufzeigen, was man unternehmen kann, sobald man irgendwo hängen bleibt. Meine Vorgehensweise mag zeitaufwendiger sein, doch sie hat einen entscheidenden Vorteil: Schreibblockaden treten nur noch dann in Erscheinung, wenn man absolut keinen Bock aufs Schreiben hat. Ja, das kommt vor. Übrigens halte ich mich auch nicht unbedingt immer an meinen strikten Plan – was ich dann im Nachhinein aber meistens bereue.

Nun zur Entstehung der Geschichte: Ich erwähnte in Teil 4, dass ich den Plot im Regelfall vor den Figuren ausarbeite. Dass ich es hier trotzdem in anderer Reihenfolge darstelle, hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe diese Blogreihe nicht ausreichend geplant und bemerkte die Verdrehung erst, nachdem ich das Thema Charaktere fertig geschrieben hatte. ;-)

Jetzt aber wirklich zum Thema

In Teil 3 – übers Sortieren von Ideen – hatte ich bereits eine kleine Übersicht angesprochen, in der mein Spannungsbogen an festgelegten Punkten des Plots vorgezeichnet ist. Anhand dieses sehr groben Grundgerüstes fange ich dann an, meine Geschichte weiterzuentwickeln.
Hierfür verwende ich Tabellen – oder früher Notizzettel – von der jede Einzelne ein Kapitel darstellt. Je nachdem, wie lange die Abschnitte sind, kann man natürlich auch mehrere Zettel für ein Kapitel nutzen. Diese Unterteilungen sind – abgesehen von der Übersichtlichkeit – auch insofern sinnvoll, als dass man sich später beim Schreiben von Kapitel zu Kapitel hangeln kann. So wirkt auch ein 800-Seiten-Wälzer nicht mehr wie ein unüberwindbarer Berg, da man ihn in kleine Teilstücke zerlegt hat.

Aufteilung in Abschnitte

Ich orientiere mich für gewöhnlich an räumlichen, zeitlichen oder perspektivischen Brüchen. Selbst wenn es in einem übergeordneten Kapitel spielt, unterteile ich hier in separate Szenen, die sich dadurch abgrenzen, dass sie entweder einen räumlichen Wechsel (Held war vorher auf der Arbeit, ist jetzt daheim), einen zeitlichen Wechsel (eben war es noch Abend, jetzt ist es plötzlich der nächste Tag) oder einen perspektivischen Wechsel haben (wenn zum Beispiel eine Szene über den Antagonisten eingeschoben wird).

Nun kann ich auf alles zurückgreifen, was ich (über Jahre) gesammelt habe. Falls ich schon ganze Kapitel ausgearbeitet habe, kann ich diese in meine Tabelle einfügen. Die einzelnen Tabellenkästchen sollten praktischerweise verschiebbar sein, damit man nicht hin und herkopieren muss. Mit dem Programm Curio Core funktioniert das sehr gut. Mit Notizzetteln ebenfalls. Man sollte sie nur später nummerieren, wenn man sie wieder zusammenräumt.
Besitze ich Kapitel, von denen ich nicht recht weiß, wo sie hingehören, erstelle ich mir eine extra Spalte. Das sieht dann in etwa so aus:

Bildschirmfoto 2014-02-25 um 14.09.21

Die Spalten sind in Akte unterteilt (hier als Beispiel mit drei Akten). In den einzelnen Spalten stehen dann untereinander in der richtigen (jederzeit änderbaren) Reihenfolge die aufeinanderfolgenden Kapitel. PP steht für Plotpoint, ZP für Zentraler Punkt (also die Mitte der Geschichte). Natürlich steht dort nicht einfach 1.PP, sondern eine aussagekräftige, knappe Zusammenfassung dessen, was in dieser Szene geschieht.

Nun kommt es nämlich auf Übersichtlichkeit an. Es ist einerseits sinnvoll, wenn man alles dort hineinschreibt, was man zu diesem Kapitel bereits weiß. Zu Zeiten der Notizzettel schrieb ich in winzig kleiner Schrift auf die Rückseite nur die Dinge, die mir wichtig erschienen. Platzmangel halt. Auf die Vorderseite kamen nur wenige Stichpunkte oder besser noch: ein bis drei Wörter. So etwas wie: „Findet das Schwert“ oder „Lagerfeuerrunde“. Man sollte jedoch wissen, was damit gemeint ist. Zu viel abzukürzen ist manchmal eher abträglich, weil man dann immer im Kleingedruckten nachlesen muss, auf was dieses Wort verweisen sollte. Es gilt also ein paar Begriffe zu finden, die möglichst genau aber knapp das wiedergeben, was in diesem Kapitel oder dieser Szene geschieht.

Dabei hangele ich mich bevorzugt vom Anfang zum ersten Plotpoint und dem Ende des 1.Aktes, vom Beginn des 2.Aktes zum zentralen Punkt und so weiter. Wer lieber unchronologisch vorgeht, kann natürlich auch wilde Sprünge vollziehen. Wichtig ist nur, dass die einzelnen Szenen nicht einfach nur die Lücken füllen, sondern in sich geschlossen einen eigenen Konflikt und eine eigene Auflösung besitzen. Ein Mikrokosmos einer Geschichte quasi. Es muss immer etwas geschehen, das die Handlung vorantreibt.

Einen spannenden Plot aufbauen

Es gibt diverse Möglichkeiten, wie man seine Story spannend gestalten kann. Einen Teil dieser Spannungstechniken sollte man bereits in der Planung mit einbeziehen. Andere ergeben sich während des Schreibens. Zu den planbaren gehören Überraschungseffekte, unvorhergesehene Wendungen in der Geschichte, Geheimnisse, die früh angedeutet aber erst sehr viel später gelüftet werden, Cliffhanger usw.

Genauer auf solche Techniken einzugehen, ginge hier aber zu weit. Ich empfehle dazu das Buch: Wie schreibe ich einen Bestseller – Geheimnisse, Techniken und Erfolgsformeln von Bestseller-Autoren von Ha. Mehler. Auch wenn dieser Ratgeber sich in vielen Bereichen an Sachbuchautoren wendet, ist der Abschnitt über Spannungstechniken absolut Gold wert.
Zwei Techniken werde ich dennoch beschreiben, da ich sie seit Jahren häufig und bewusst anwende. Den Überraschungseffekt und den Cliffhanger. Ersteres habe ich ausgiebig im Zeit-Zwirbel-Effekt verwendet. Da dieses Buch allerdings aus Kurzgeschichten besteht, waren Cliffhanger eher schwierig einzubauen.

Der Überraschungseffekt

Ich dachte, es kommt so und so, und dann kam es plötzlich ganz anders! Ach, wie gern höre diesen Satz – natürlich in präziser Form zu einer speziellen Geschichte. Der Überraschungseffekt ist eigentlich recht einfach zu bewerkstelligen. Man führe den Leser auf eine falsche Fährte und am Ende löst man es auf. Je ungewöhnlicher die Auflösung, desto größer ist der Effekt. In Krimis wird der Überraschungseffekt vermutlich (bin nicht so der Krimi-Fan) immer genutzt. Wäre ja langweilig, von Anfang an zu wissen, wer der Mörder ist, oder?

Es mag jedoch mitunter sinnvoll sein, die überraschende Wendung, die übrigens nicht ausschließlich den gesamten Plot tragen muss, sondern auch lediglich den Mikrokosmos eines einzelnen Kapitels tragen kann, anzukündigen und ein Reihe unauffälliger Fährten zu legen, die in die richtige Richtung führen. Denn am Ende braucht der Leser rückblickend ein paar Hinweise, Dinge, von denen er anschließend denkt: Ahhh, jetzt wo ich es weiß … macht das Sinn.

Ein bisschen wie eines dieser Bilder, die je nach Perspektive ein anderes Motiv zeigen. Mal sieht man eine Vase, mal sieht man zwei Gesichter. Aber wenn man das erste Mal hinschaut, erkennt man mitunter nur eines davon. Irgendwann entdeckt man plötzlich auch das andere und schwupps ist er da: Der Aha-Effekt. Also mein Rat an dieser Stelle: Der Überraschungseffekt ist zwar sehr wirkungsvoll, zumal er am Ende einer Geschichte einen ordentlichen Knall hinterlässt, doch man sollte ihn gut vorbereiten, sodass man den Leser nicht unvermittelt mit einer völlig an den Haaren herbeigezogenen Auflösung überrascht. Das geht dann nämlich eher nach hinten los.

Der Cliffhanger

Eine weitere – von meiner Seite aus gern genutzte – Spannungstechnik ist der Cliffhanger. Wem das kein Begriff ist: Man verlässt die Geschichte an einer Stelle, an der es gerade besonders spannend ist. Einfaches Beispiel: Der Held hängt mit einer Hand an einer Klippe und droht abzustürzen. ;-) Nun springt man entweder zu einer anderen Erzählperspektive (bester Freund des Helden isst gemütlich zu Mittag und weiß überhaupt nichts vom Kliffgehänge seines Kumpels) oder – ein ganzes Stück fieser – man beendet an dieser Stelle das Buch. Für den zweiten Fall sollte es allerdings einen Fortsetzungsroman geben, der die Geschichte an dieser Position wieder aufgreift.

Cliffhanger werden gern bei Fernsehserien verwendet, um die Zuschauer am Ball zu halten. Denn man will ja um jeden Preis wissen, wie es weiter geht, verdammt! Es empfiehlt sich also, falls möglich, seine Geschichte so aufzubauen, dass jedes Kapitelende – dort, wo der Leser gern das Buch zur Seite legen möchte, um sich anderen Tätigkeiten zu widmen (das möchten wir natürlich nicht) – kein befriedigendes Ende eines Abschnitts einzubauen, sondern etwas, das neugierig macht und in das nächste oder übernächste Kapitel überleitet. Schon ein Satz wie dieser, kann den Leser dazu verleiten, unbedingt weiterlesen zu wollen: „Es schien überstanden, doch plötzlich huschte ein seltsamer Schatten durch die Zimmerecke.“ Die Gefahr aus dieser Szene ist überwunden, doch die nächste steht bereits vor der Tür. Oder in der Zimmerecke – je nachdem.

Mit dem Cliffhanger haben mich schon des Öfteren schlechte Serien oder Bücher dazu verleitet, sie weiter zu schauen oder zu lesen. Egal wie dümmlich die Handlung sonst so erscheint, mit einem Cliffhanger am Ende fällt es ungleich schwerer, einfach aufzuhören. Ein paar faszinierende Ideen/Figuren und/oder guter Schreibstil sollten aber dennoch vorhanden sein. Denn wenn mich das Schicksal der Charaktere oder das allumfassende Geheimnis der Geschichte nicht interessiert, dann bringt auch der beste Cliffhanger nichts.

Spätmöglichster Einstieg in die Geschichte

Man hört häufig, dass man möglichst spät in eine Erzählung einsteigen sollte. Nur wo ist der richtige Punkt? Wenn man sich zu stark an der Heldenreise orientiert, kann das schon Mal dazu führen, dass man einen langen Anlauf braucht, bis man endlich wirklich in die Geschehnisse einsteigt. Das kann Leser schnell verschrecken, vor allem bei Amazon, wo man den alles entlarvenden „Blick ins Buch“ riskieren darf. Zieht man den Leser nicht bereits auf diesen ersten Seiten in seine Geschichte hinein, ist es wahrscheinlich, dass er lieber ein anderes Buch kauft.

Kann oder will man jedoch nicht gleich in die Mega-Action einsteigen, und man denkt sich als Autor: Verdammt, ich brauch aber diese ganze Erzählung am Anfang, damit die Leser sich in meiner Welt überhaupt zurechtfinden!, dann könnte man auf einen Trick zurückgreifen, der beispielsweise bei der Fernsehserie „Breaking Bad“ gerne verwendet wird: Der Blick in die Zukunft. Eine kurze Szenerie, die dem Leser oder Zuschauer ein Ereignis zeigt, das den Helden am Abgrund baumeln lässt – ein bisschen wie ein zeitlich umgedrehter Cliffhanger.

Horrorfilme gehen übrigens ähnlich vor. Oftmals steht am Anfang eine Szene, in der schon mal das mordende Irgendwas vorgestellt wird. Meistens ist es Nacht, es regnet, blitzt und donnert – erstaunlich, wie häufig es in Filmen Gewitter gibt … Man erhält bereits einen Einblick dessen, was einen später noch so erwartet. Das erste unschuldige Opfer (Blondine oder sonstige vornehmlich dämliche Charaktere) wird grausam abgeschlachtet und unvermittelt schneidet das Bild auf die friedliche amerikanische Vorstadtidylle um und stellt unseren Helden vor. Bis der nächste Mord passiert, vergeht dann meist eine ganze Weile. Aber: Man hat eine Ahnung von dem, was da noch kommt!
Ahh, jetzt weiß ich auch, wie ich den Anfang meines eigenen Buches umschreibe. Geht doch nichts über Ratgeber schreiben, wenn man sich selbst auf dem Holzweg glaubt. :-)

Das fertige Gerüst

Über die Art, wie man einen spannenden Roman schreibt mit den ganzen Dingen wie Heldenreise und Spannungstechniken und was es da nicht alles gibt, wurden ja bereits etliche Ratgeber verfasst. Ich empfehle wirklich, in ein paar davon mal reinzuschauen und sich herauszupflücken, was man persönlich für seine eigene Arbeit gebrauchen kann.

Wir stehen hier nun am Ende der kompletten Vorarbeit. Sämtliche Kapitel sind nun ausgearbeitet, fein säuberlich wurden Notizen in die Tabelle eingefügt, dadurch eine schöne Übersicht gestaltet und zu den jeweiligen Kapiteln ein ausführlicher Text geschrieben, wo alles drinsteht – von den auftretenden Figuren, über die Hinweise, die gestreut werden sollen, den Fortgang der Haupthandlung, sowie den eigenen kleinen Konflikt jeder einzelnen Szene. Falls mir noch irgendwo etwas fehlt, greife ich einfach auf Ideen jagen zurück und fülle so die letzten Lücken meiner Erzählung. Wenn ich damit fertig bin, liegt vor mir nun eine komplett ausgearbeitete Geschichte, die nur noch ausformuliert werden muss.

Das Gerüst steht, das Fundament ist gesetzt. Nun geht es endlich an den Rohbau. Dazu dann im nächsten Teil.

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