Marketingstrategietest #3 – kostenlose Leseprobe

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Ein Pröbchen gefällig? Mal unverbindlich hereinschnuppern? Die eigenen Geschmacksknospen von der geistigen Frucht dieses unbekannten Autoren kosten lassen? Kann man mal machen. Kostet ja nichts – außer ein paar Minuten der eigenen Lebenszeit.

Mehr als der „Blick ins Buch“

Bei Amazon gibt es ja diese wunderbare Sache, die sich „Blick ins Buch“ nennt, die – wenn man sich so manche 1-Stern-Bewertungen zu Büchern meiner geschätzten Kollegen ansieht – leider noch nicht von allen Lesern entdeckt wurde. Der Blick ins Buch ist im Grunde nichts anderes als eine kostenlose Leseprobe. Mir geht es hier und heute jedoch um die erweiterte Leseprobe, leider auch häufig als „XXL-Leseprobe“ bezeichnet. Mutmaßlich gründet sich meine Abneigung gegen diese Vokabel in den tiefen inneren Komplexen einer von Diäten geplagten Frau, die schon beim Buchstaben „L“ Schweißausbrüche bekommt. Mit XXL werde ich meine Leseproben daher nie im Leben betiteln! Aber zurück zum Thema:

Kostenlos zieht ja bekanntlich immer. Viele Autoren sträuben sich jedoch, ihr gesamtes Buch mithilfe von Gratistagen zu verschenken. Zurecht, wie ich anmerken darf. Eine erweiterte Leseprobe ist da jedoch etwas anderes. Man verschenkt schließlich nur einen Happen der Gesamtarbeit, trotzdem kann man sich mal in die Gefilde der Gratiswelt begeben, ohne etwas zu verlieren. Aber nutzt es auch was? JA! Warum? Das erkläre ich euch jetzt (denn ich hab da mal etwas Erfahrung gesammelt):

Eine Erweiterte Leseprobe ohne Cliffhanger

„Der Zeit-Zwirbel-Effekt und seine Knöpfchendrücker“ hat schon einiges an Marketingstrategien hinter sich und wird auch noch so manch weitere erfahren. Den größten Verkaufserfolg hatte ich bislang nach meinen Gratistagen bei Amazon. Einen Monat lang versilberte ich das vierfache von dem, was ich sonst so verkauft habe und derzeit verkaufe. Jap, der Effekt lässt leider nach. Also eher zu empfehlen, wenn man mal dringend Geld benötigt – die Geldknappheit sollte man aber drei Monate im Vorhinein planen, da es ja etwas dauert, bis man die Kohle von Amazon erhält.

Daher entschloss ich mich, die Gratismentalität anderweitig zu nutzen. Eine Leseprobe sollte her. Meine Roman-Collage hat jedoch den Vor- oder Nachteil – je nachdem, wie man es betrachtet –, dass sie aus abgeschlossenen Kurzgeschichten besteht. Für den Leser ist das natürlich sehr interessant, wenn er drei komplette Kurzgeschichten für umme erhält.
Für mich als Autor ist das eher schwierig, weil mir hier der Cliffhanger fehlt, der den Leser zum Kauf ermutigen könnte, weil er unbedingt wissen muss, wie es weitergeht. Na gut, ich hätte fies sein können und die letzte Kurzgeschichte vor dem Ende abbrechen. Aber die Cliffhanger-Methode hebe ich mir für das nächste Buch auf. Ich hoffte also einfach darauf, dass es den Lesern meiner kostenlosen Geschmacksprobe mundet und sie diese interessant, witzig und/oder unterhaltsam genug finden, um für die restlichen acht Geschichten zu zahlen.

Langzeitwirkung

Und siehe da: Meine Rechnung ging auf. Denn meine kleine Leseprobe sorgt bis heute immer wieder für Verkäufe. Offenbar gefällt es. Ich kann zwar nicht zweifelsfrei beweisen, dass die Käufer meines Buches vorher die Leseprobe heruntergeladen haben, aber eine Beobachtung meinerseits – bei der es ganz praktisch ist, wenn man bloß alle paar Tage mal ein Buch verkauft – sah folgendermaßen aus:

In den letzten Monaten, in denen ich ansonsten kaum Marketing betrieben habe, fiel mir auf, dass auf einen Download meiner Leseprobe (für Autoren nachzusehen in den Statistiken von authorcentral) zwei bis drei Tage später fast immer ein Kauf meines E-Books folgte. In letzter Zeit sehen fast alle meine Verkäufe so aus. Nur sehr selten passiert es, dass mein Buch einfach mal so erworben wird. Es hat also im Gegensatz zu den Gratistagen und all meinen bisherigen anderen Marketingversuchen eine nicht zu verleugnende Langzeitwirkung.

Natürlich kann ich bislang nicht sagen, ob das auch mit erweiterten Leseproben für normale Romane so gut funktioniert. Da zieht zwar der Cliffhanger-Effekt, aber ich persönlich lade mir ungern Leseproben herunter. Allerdings bin ich auch jemand, der Bücher meistens auf Empfehlung liest – und wenn ich doch mal stöbern gehe, reicht mir auch der Blick ins Buch. Für Autoren ist es jedoch eine gute Möglichkeit, das eigene Buch zusätzlich zu vermarkten.

Die Vorteile – in aller Kürze
  • Die erweiterte Leseprobe verursacht keine zusätzlichen Kosten, wie manch andere Marketingstrategien.
  • Euer Buch steht dadurch zweimal in den Regalen der Online-Buchhändler und ist dadurch doppelt so sichtbar.
  • Euer Buch ist in den Gratisbereichen zu finden, wird dadurch auch auf Schnäppchenseiten verlinkt und erfährt mehr Aufmerksamkeit.
  • Einmal hochgeladen läuft es quasi von selbst und sorgt für einen Langzeiteffekt.

Daher mein Tipp: Wenn ihr ein E-Book veröffentlicht, stellt auf jeden Fall eine kostenlose Leseprobe ein. Es sorgt zwar nicht zwingend für einen Bombenabsatz aber immerhin für regelmäßige Verkäufe.

Nachteil – Distributor nötig

Allerdings benötigt ihr dafür einen Distributor, weil man bei Amazon nicht so einfach ein kostenloses Buch dauerhaft einstellen kann. Ich hatte mich beim Zeit-Zwirbel-Effekt für Neobooks entschieden, werde in Zukunft aber noch andere Distributoren testen. Es gibt allerdings ein Problem, das ihr vorher bedenken solltet: Ihr müsst natürlich auch das dazugehörige Buch bei eurem Distributor einstellen. Wenn ihr also überlegt, Amazons Gratistage für ein erstes Sichtbarwerden zu nutzen, solltet ihr mit der Leseprobe noch etwas warten. Denn die Gratistage funktionieren ja nur, wenn man KDP Select wählt und damit Distributoren wie Neobooks, Bookrix oder Xinxii ausschließt. Es andersherum zu machen – also zuerst die Leseprobe und danach mal kurz Gratistage zwischenschieben –, wäre ziemlich aufwändig. Würde ich daher nicht empfehlen.

Übrigens bietet nicht jeder Online-Buchhändler (schlagt mich nicht, wenn ich mich irre) einen Blick ins Buch an. Dadurch ist eure erweiterte Leseprobe für Nicht-Amazon-Kunden also auch ein Ersatz für ein kurzes Hineinblättern.

Vielleicht nicht immer sinnvoll?

Eine kleine Einschränkung möchte ich jedoch noch anführen: Für allzu knappgehaltene Werke – alles unter hundert Seiten – würde ich das nicht empfehlen. Denn eine erweiterte Leseprobe sollte schon etwas zu bieten haben, wie ich finde. Mein zweites Buch liegt knapp unter dieser Grenze. Daher entschied ich mich hier dagegen. Aber vielleicht ist das ein Fehler und ich sollte es mal testen.

Was meint ihr dazu? Habt ihr erweiterte Leseproben eingestellt? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Lohnt es sich bei „normalen“ Romanen?

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Und hier geht es zu meiner Leseprobe:

Leseprobe

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